Osterkerze.

Die Osterkerze ist eine große Kerze aus gebleichtem Bienenwachs, die in der Liturgie der Westkirchen (römisch-katholische, altkatholische, anglikanische und Lutherische Kirche), zu Beginn der Osternachtfeier am Osterfeuer bereitet, geweiht und entzündet wird. Die Ostkirchen verwenden ein sogenanntes Trikirion drei Kerzen aus ungebleichtem Wachs, die mit einem Stoffband überkreuzt zusammengebunden werden. Dieses Trikirion wird ausschließlich in der Osternacht verwendet. Das Osterlicht wird im Altarraum durch eine Ölkerze bis zum nächsten Osterfest erhalten.

Der Brauch, eine besondere Kerze am Osterfest zu entzünden, ist sehr alt. Die ältesten schriftlichen Zeugnisse stammen aus dem vierten Jahrhundert  Dieser Brauch knüpft an eine alte heidnische Tradition an. Zum Kult in der Antike gehörte zum Opfer oft ein Hymnus, in dem die Gottheit rühmte, der das Opfer galt. Die Osterkerze ist ursprünglich nichts anderes als ein Brandopfer und der österliche Lobgesang, das Exsultet (dieser Name leitet sich, ähnlich wie bei anderen Gebeten, vom ersten Wort des lateinischen Textes ab).

Neben dem eigentlich ganz in Vergessenheit geratenen heidnischen Ursprung, der uns vielleicht nur noch in der Form der olympischen Flamme bekannt ist, entwickelte sich bald eine eigene Deutung der Osterkerze. In dem reinen „Leib“ der Kerze aus teurem, gebleichtem Bienenwachs sah man ein Sinnbild für die menschliche Natur Christi oder für seinen verklärten Leib nach der Auferstehung, während man die Flamme als Zeichen seiner göttlichen Natur auffasste. Die Flamme sollte nicht mehr von brennenden, übel riechenden Tierleibern genährt werden, sondern von reinen, wohlriechenden Elementen (Bienenwachs, Öl und Papyrus, der für den Docht gebraucht wurde). Die Osterkerze ist also ein Brandopfer, das Gott in der Liturgie dargebracht wird und mit anderen Opferpraktiken verglichen werden kann.

Die Osterkerze steht in Verbindung sowohl mit dem Heidentum, ihrer Herkunft wegen, als auch mit dem Judentum. Sie gilt als reine Opfergabe für Gott und ist die Feuersäule des Neuen Bundes. Wie das Volk Israel damals durch die Wüste und durch das Rote Meer hindurch zog, indem es der Feuersäule folgte, so ziehen heute die Christen in der Osternacht in die Kirche ein und folgen der brennenden Flamme der Kerze, Zeichen für den auferstandenen Christus.

Jahrhunderte lang wurde die Osterkerze nur mit Blumen und Blättern geschmückt. Aufgrund ihrer Größe stellt sie den neuen Baum des Lebens dar. Der alte Feind, der Tod, der am Baum gesiegt hat, wurde selbst am Baum besiegt. Die üblichen Symbole, Kreuz, Jahreszahl und „Alpha“ (Α) und „Omega“ (Ω) (erster und letzter Buchstabe des griechischen Alphabetes) tauchen erst Ende des 9. Jahrhunderts auf.

Die heute üblichen roten oder goldenen Wachsnägel, Symbole für die Wundmale Christi, sind der alten Tradition der Osterkerze fremd. Wenn die Osterkerze angezündet wird und der Ruf Lumen Christi erklingt, ist das das Zeichen, dass der Tod vor dem Leben und die Finsternis vor dem Licht weichen muss.

 Aus Wikipedia: Artikel Osterkerze abgerufen am 06.01.2011. Der Text steht unter der Lizenz CC-BY-SA 3.0

Impressum/Datenschutz