Ostermärchen.

Als der Osterhase verschlafen hatte.
Eines Vorostertages vor langer Zeit hatte der Osterhase keine Lust mehr, ein Osterhase zu sein.
"Immer diese Arbeit mit den Eiern!", brummte er verdrießlich und blickte auf den Eierberg, der noch vor ihm lag. "Wie soll ich es bloß schaffen, alle Eier bis morgen noch zu bemalen?" Der Osterhase warf den Pinsel in den Farbtopf und dachte nach.
„Was hat ein rechter Hase eigentlich mit Eiern zu tun?“, überlegte er. „Hühner legen Eier. Und Kinder können Eier bemalen. Das tun sie sogar viel besser als wir Hasen. Ja, und kennen nicht die Eltern die besten Ostereierverstecke? Ach, wozu soll ich mich da noch abrackern? Außerdem bin ich müde.“

Der Osterhase gähnte. Das Kreuz tat ihm weh, und seine Hände zitterten.
"Ich mag nicht mehr", murmelte er. "Und überhaupt: Warum gibt es keine Osterhühner oder Osterkinder oder Ostereltern? Alle reden immer nur von Osterhasen. Ist doch dumm, oder?" Der Osterhase lehnte sich gemütlich zurück und – schwups - war er eingeschlafen. Leise schnarchte er vor sich hin. Und weil ihn niemand weckte, wurde aus dem kurzen Nickerchen ein langer, tiefer Schlaf. Der Osterhase schlief und schlief und schlief, und am Ostermorgen lagen keine bunten Eier in den Nestern. Da erschraken die Eltern sehr. Was würden ihre Kinder sagen? Und weil sie sich vor traurigen Kinderaugen fürchteten, kochten und bemalten sie rasch viele bunte Eier und versteckten sie.

Sie hatten viel Spaß dabei. Was war das für eine Freude, als die Kinder später die Nester entdeckten!
"Der Osterhase war da!", riefen sie. "Juchhu!" Da lächelten die Eltern, und sie nahmen sich vor, von nun an jedes Jahr zu Ostern die Nester selbst mit Eiern zu füllen. Das tun sie bis heute, und zur Erinnerung an den Osterhasen legen sie einen Schokolade-Hasen zu den Eiern ins Nest. Und was ist mit dem echten Osterhasen?
Na, der ist irgendwann aus seinem wohl verdienten Schlaf aufgewacht und freut sich jedes Jahr aufs Neue, wenn er sieht, wie gut die Eltern seinen Osterhasenjob erledigen.

© Elke Bräunling

Der kranke Osterhase.
Lächelnd sandte die Sonne ihren ersten Strahl durchs Fenster und kitzelte Jonas an der Nase. Blinzelnd sah er sich um, als er erwachte. Mit einem Mal sprang Jonas aus dem Bett. „Heute ist Ostern, heute ist Ostern“, rief er und tanzte durchs Zimmer. Dann spurtete er ins Schlafzimmer der Eltern. „Mama, Papa aufstehn! Sicher war der Osterhase schon da.“ „Da hat es aber einer eilig“, meinte lächelnd der Vater und zog Jonas noch für eine kurze Kissenschlacht ins Bett. Mutti war bereits ins Bad gegangen.

Sie konnte sich noch gut an ihre Ungeduld am Ostermorgen in ihrer Kindheit entsinnen und freute sich schon auf Jonas seine Augen beim Eiersuchen im Garten. Der Fotoapparat lag schon griffbereit, zuvor gab es jedoch ein richtig leckeres Osterfrühstück. Bereits am Abend hatte Mutti den Tisch festlich gedeckt. Bunte Eier in Kresseschälchen zierten ihn. Nun noch schnell die Brötchen in die Backröhre, dann rief die Mutter zum Frühstück. Jonas freut sich über das hübsche Häschen auf seinem Teller und doch lockte heute früh nur der Garten.

© Christina Telker

Das Osterkätzchen.
Am Ostersonntag sind in den Gärten bunte Nester mit Eiern und Osterhasen versteckt. Nur in Tims Osternest gibt es keinen Osterhasen. Nein, ein schwarzes Katzenbaby liegt in einem Weidenkörbchen inmitten vieler bunter Eier.
So etwas aber auch! Die Osterschokohasen sind erregt. "Wenn es wenigstens aus Schokolade wäre!“, meint einer.
"Und glitzerbunt müsste es sein“, ruft ein anderer. "Klare Sache." Die Hasen sind sich einig. Katzen haben in einem Osternest nichts verloren. "Osterkätzchen gibt es nicht!“, rufen sie. „Hasen legen auch keine Eier", maunzt der Kätzchen.

Die Schokohasen aber halten sich die Bäuche vor Lachen. "Hihi", „Haha“ und „Hoho", hallt es durch die Gärten.
Auch die Nachbarkinder lachen, als sie das Kätzchen in Tims Nest entdecken. "Guck mal, ein Osterkätzchen!“, kichert Ben.
"Doof" meint Maja und beißt in das Ohr ihres Schokohasen. "Schokolade ist mir auch lieber", grölt Max und isst seinen Hasen gleich ratzeputz auf.

Tim aber macht sich nichts aus dem Gespött, und während sich seine Freunde die Bäuche mit Schokolade voll stopfen, nimmt er das kleine, schwarze Kätzchen zärtlich in den Arm. Das Kätzchen schnurrt voller Wohlbehagen, und Tim drückt es noch fester an sich. Wie lieb er es hat! Und nicht nur heute.

© Elke Bräunling

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